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VerwaltungsvorschriftenMinisterium für Bildung und KulturRichtlinien für die Umwelterziehung an den Schulen im Saarland

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Richtlinien für die Umwelterziehung an den Schulen im Saarland

Ministerium für Bildung und Kultur · vom 1994-05-26

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Richtlinien für die Umwe lterziehung an den Schulen im Saarland Vom 26, Mai 1994 Az,: B 4 - 4,3,1,3 1. Aufgabe und Ziele 1.1 Verfassungsauftrag Das Gebot, die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen, hat Verfassungsrang (Art, 59 a der Verfassung des Saarlandes), Entsprechend ist die Erziehung der Jugend zu sorgsamem Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen und zu sittlicher und politischer Verantwortlichkeit Verfassungsauftrag (Art, 30 der Verfassung des Saarlandes); dieser Auftrag hat auch in § 1 Abs, 2 des Schulordnungsgesetzes Eingang gefunden, 1.2 Ziele und Th emenschwerpunkte der Umweiterziehung Schulische Umwelterziehung hat das Ziel, Kinder und Jugendliche zu einer ethischen Grundhaltung zu erziehen, die den Menschen als Teil der Natur sieht, für deren Schutz und Erhalt er verantwortlich ist. Sie soll grundlegende Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln, die zum Handeln im Sinne dieser Verantwortung befähigen, und sie soli die Bereitschaft wecken, diese Verantwortung zu akzeptieren und das eigene Handeln auch über den persönlichen Bereich hinaus danach auszurichten, 1.2.1 Emotionale Zugangswege eröffnen Schulische Umwelterziehung baut auf der Erziehung zur Achtung und Wertschätzung der Natur auf. Die Schülerinnen und Schüler sollen daher so früh wie möglich Gelegenheit haben, emotionalen Zugang zur Natur zu gewinnen, Nur durch die direkte Begegnung mit der Natur und die bewusste Wahrnehmung ihrer Schönheit kann bei Kindern und Jugendlichen ein Bewusstsein für den Eigenwert der Natur und für die Rolle des Menschen als Teil seiner Mitwelt entstehen, Die nachfolgend genannten Themenschwerpunkte und Inhalte sollen den Rahmen für die Umsetzung in der Schule verdeutlichen, Mögliche Themenschwerpunkte Vielfalt, Eigenart und Schönheit der Natur Bedeutung und Geschichte der Inhalte (Beispiele) Arten und Formenreichtum der Natur, Natur als Erlebnis und Erfahrungsraum (z.B, Natur mit allen Sinnen erleben, sich in der Natur wohlfühlen und erholen), Natur als Gegenstand von Dichtung, bildender Kunst und Musik Zivilisation als Umweltfaktor, Geschichte Kulturlandschaft das Verhältnis Mensch - Natur die persönliche Lebensgestaltung (Orientierungsmaßstäbe) 1.2.2 Wissen vermitteln der Nutzung der Landschaft (z. B. bäuerliche Kulturlandschaft, Strukturwandel), Dorf und Stadt als Lebensraum und Heimat des Menschen, Dorfund Stadtentwicklung, Natur-, Bau- und historische Denkmäler Weltbilder, Wertvorstellungen und Verhaltensweisen des Menschen und ihre Bedeutung für die Natur, Ambivalenz des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts, Natur als Quelle von Wert-, Sinn- und Glaubenserfahrungen, Eigenwert der natürlichen Mitwelt (Ehrfurcht vor der Schöpfung) Wert- und Sinnorientierung, Verantwortung, Güterabwägung, Bereitschaft zu Mäßigung und Verzicht Liebe zur Natur allein genügt nicht, um sie schützen und erhalten zu können. Dazu ist auch Wissen notwendig. Mögliche Themenschwerpunkte Ökosysteme lokale und globale Auswirkungen menschlicher Eingriffe in die Natur Geschichte der Umweltproblematik Umweltproblematik und Wirtschaft Inhalte (Beispiele) natürliche, naturnahe und naturferne Ökosysteme, Stadtöl,ologie, Belastbarkeit von Ökosystemen und Grenzen der Belastbarkeit Auswirkungen auf Luft, Wasser, Boden, Klima, Tier- und Pflanzenwelt, auf Sachund Kulturgüter sowie auf den Menschen, Einzelwirkungen, kumulative Wirkungen, Wirkungszusammenhänge Bedingungen und Folgen der Bevölkerungsentwicklung und der kulturellen Entwicklung, technische Entwicklungen und ihre Folgen für die Natur, die wirtschaftliche Entwicklung und ihre Folgen für die Natur (Wachstumsideologie), philosophische und theologische Denkansätze über das Verhältnis Mensch - Natur Umweltprobleme im Zusammenhang mit Energieversorgung , Abfallwirtschaft, Verkehr, Handwerk und Industrie, soziale Ansprüche und ihre Auswirkungen auf die Natur Umweltprobleme als Herausforderung an Forschung und Technik Umweltpolitik Aufgabe als innerstaatliche Umweltpolitik als intemationale Aufgabe die persönliche Auseinandersetzung mit der Umweltproblematik Bauwesen, Landwirtschaft und T ouristik, die Beziehung zwischen Ökologie und Ökonomie, qualitatives und quantitatives Wirtschaftswachstum , der Gemeinsame Markt und seine Auswirkungen auf die Umwelt, Wirtschaftsprobleme der Länder der so genannten Dritten Welt: Ursachen und Auswirkungen auf die Umwelt Wohlstand, Arbeitsplätze, soziale Sicherheit, Freizügigkeit, Freizeit Möglichkeiten und Grenzen der Umwelttechnik, Möglichkeiten zur Energieeinsparung, umweltschonende Energieerzeugung, umweltgerechte Produktionsverfahren (Ressourcenschonung, Abfallvermeidung, Recycling), vorausschauendes Planen und Forschen zur Vermeidung von Umweltproblemen wichtige Prinzipien der Umweltpolitik (z, B. Verursacherprinzip, Vorsorgeprinzip, Kooperationsprinzip), Instrumente der Umweltpolitik (z.B. Steuern, Abgaben, Subventionen, Verbote, Gebote), Umweltpolitik in der Marktwirtschaft, rechtliche Bestimmungen (z. ß. Gesetze zum Natur- und Umweltschutz, Arbeitsschutz, technischer Umweltschutz), Organisation, Konzepte und Lösungsansätze der Umweltpolitik, Konflikte im Hinblick auf andere staatliche Aufgaben, umweltpolitische Entscheidungsprozesse, Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung grenzüberschreitende Umweltprobleme, internationale Normen und Vorgaben (z.B. EG-Richtlinien), Umweltpolitik in der Europäischen Gemeinschaft, Industrieländer und "Dritte Welt" Ausdrucks- und Gestaltungsmittel in der Musik und in der bildenden Kunst, Naturwahrnehmung und -darstellung im Einfluss von gesellschaftlichen, philosophischen und religiösen Entwicklungen 1.2.3 Handiungsfähigkeit erreichen Außer der Liebe zur Natur und dem Wissen um die vorstehend genannten Zusammenhänge soll Umwelterziehung auch die Fähigkeit zum Handeln vermitteln. Mögliche Themenschwerpunkte naturwissenschaftlich-technische Arbeitsmethoden Informationsbeschaffung -einschätzung persönliche Lebensführung und Möglichkeiten zur Mitwirkung an politischen Entscheidungen Schulung von Rhetorik, Sprachverständnis, Sprachvermögen kreative Gestaltung Gestaltung des Lebensraumes Schule nach ökologischen Kriterien Inhalte (Beispiele) Untersuchung und Beschreibung von Ökosystemen mit chemischen, physikalischen und biologischen Methoden Grenzwerte, Warnwerte, Veröffentlichungen in Medien mögliche Ursachen der Diskrepanz zwischen "Umweltwissen" und "Umwelthandeln", Konsumverhalten, Mobilitätsverhalten, Freizeitgestaltung, Verhalten im Haushalt und am Arbeitsplatz, umweltschonende Verhaltensweisen im Schulalltag Mitwirkung an lokalen und regionalen politischen und gesellschaftlichen Prozessen zur Meinungsbildung und Entscheidungsfindung, schulische Mitbestimmung, Mitarbeit in Parteien, Vereinen und Verbänden Analyse pragmatischer Texte (z.B. Zeitungsberichte ), Diskussionsübungen, Berichte für die Presse (z.B. Schülerzeitungen), fremdsprachliche Texte, interkulturelle Begegnungen Empfindungen und Erlebnisse in Texten, in der Musik oder durch bildnerische Gestaltung zum Ausdruck bringen Zusammenarbeit rnit außerschulischen Personen und Organisationen, Anlage und Pflege von Biotopen, Schulhofgestaltung 2. Prinzipien 2.1 Den ganzen Menschen einbeziehen In den Lernprozess ist der ganze Mensch einzubeziehen mit seinen Bedürfnissen, Interessen, Wünschen, Emotionen und Problemen, mit seinen kognitiven und kreativen Fähigkeiten. Dementsprechend müssen die Zugangswege gewählt werden: Der möglichst handlungs- und praxisorientierte Erwerb von Fachwissen und praktischen Fähigkeiten soll begleitet sein vom unmittelbaren Erleben von Natur und von der kreativen Auseinandersetzung mit den Mitteln der bildenden Kunst, der Literatur und der Musik. 2.2 Mit außerschulischen "Nachbarn" zusammenarbeiten Auch das Umfeld, in dem Lernen stattfindet, Einstellungen und Verhaltensweisen geprägt bzw. beeinflusst werden, darf nicht ausgeklammert werden. Durch Kooperation mit den Eltern wird es möglich, das in der Schule Gelernte in die Familie hineinzutragen und umgekehrt. Die Öffnung der Schule im Sinne einer Entwicklung zur "Nachbarschaftsschule" und die Einbeziehung außerschulischer Personen mit besonderen Kenntnissen und Erfahrungen, z.B. von Vertretern von Umweltschutzverbänden in den Unterricht, können helfen, Umwelterziehung lebens- und praxisnah zu gestalten. 2.3 Altersgerechte Schwerpunkte setzen Bei der Auswahl von Themen und Schwerpunkten sind das Alter und der Entwicklungsstand der Schülerinnen und Schüler zu berücksichtigen. Beginnend mit dem Eintritt in die Schule wird der Handlungs- und Erfahrungsraum der Schülerinnen und Schüler - ausgehend von der Schule selbst - schrittweise erweitert. Mit zunehrnendem Alter und größerer Reife werden die vermittelten Zusammenhänge komplexer, bis sie letztlich auch globale Betrachtungsweisen umfassen. Neben dem Naturerieben und der kreativen Auseinandersetzung gewinnt die Erschließung der Umwelt mit natur- und gesellschaftswissenschaftlichen Methoden immer mehr an Bedeutung. Die Jugendlichen beginnen zu lernen, vernetzt zu denken und damit auch die Folgen menschlicher Eingriffe abzuschätzen, Zukunftsstrategien zu entwickeln und sich an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen zu beteiligen. 2.4 Handiullgsmöglichkeiten eröffnen statt "Katastrophenstimmung" zu fördern oder "Heile-Welt-Pädagogik" zu betreiben Das Wissen um die bedrohliche Gefährdung unserer Lebensgrundlagen lös! bei vielen Kindern und Jugendlichen Ängste aus. Eine falsch verstandene Umwelterziehung, die ihren Schwerpunkt bei dem sich verschlechternden Urnweltzustand, bei Umweltkatastrophen und -skandalen setzt, kann diese Ängste verstärken. Eine "Heile-WeltPädagogik", die möglicherweise angsterregende Themen aus der Umwelterziehung ausklammert, wäre dagegen unglaubwürdig und würde nicht zurn Ziel führen. Ein Ausklammern wäre darüber hinaus auch unrealistisch, denn gerade interessierte Schülerinnen und Schüler werden - informiert durch die Massenmedien - über Umweltprobleme Fragen stellen und sich damit auseinandersetzen wollen. Außerdem muss Schule ihre Aufgabe erfüllen, die Heranwachsenden für gegenwärtige und zukünftige Aufgaben und Anforderungen zu qualifizieren. Auf vOI'handene Umweltängste der Kinder und Jugendlichen muss aber eingegangen werden, Um Frustration und Resignation entgegenzuwirken, ist es wichtig, ihnen Gelegenheit zu geben, eine wenigstens nach außen hin intakte Natur kennen und lieben zu lemen, Es sind Lösungsmodelle und Perspektiven für die Zukunft sowie positive Beispiele aus Wirtschaft und Politik aufzuzeigen. Ausgehend von der sie unmittelbar betreffenden lokalen Umweltsituation sollen die Schülerinnen und Schüler auch die Bedeutung ihres eigenen Handeins erfahren. 2.5 Global denken - lokal handeln Je nach Altersstufe wird sich ihr Handeln zunächst auf einfache Tätigkeiten im Bereich der Schule (z.8. Sortieren von Müll, Arbeit im Schulgarten, Zubereitung eines gesunden, umweltgerechten Frühstücks) und der Gemeinde (z.B. Erkunden von Fahrradwegen) beschränken. Mit der alterstypischen Ausweitung des Erfahrungsraumes und mit zunehmender Fähigkeit, auch komplexe Zusammenhänge zu verstehen, kommen in der Sekundarstufe I und 11 weitere lokale, regionale und überregionale Handlungsmöglichkeiten auch im Hinblick auf Lösungsansätze für globale Probleme (z.B, Ozonloch, Klimakatastrophe) hinzu, z.B, Beteiligung an Naturschutzmaßnahmen, Benutzung umweltfreundlicher Verkehrsmittel, umweltgerechtes Verhalten als Konsument, Wahrnehmung von Mitbestimmungsrechten bei ökologisch relevanten Entscheidungen als Schüler und Staatsbürger. 2.6 Fachgrenzen überschreiten Umwelterziehung ist Aufgabe aller Fächer. Die vielfältigen Vernetzungen und Abhängigkeiten in der Natur und die sich daraus ergebende Vielschichtigkeit der Umweltproblematik erfordern einen Unterricht, der die Aspekte der verschiedenen Fächer in einen Gesamtzusammenhang stellt. Einen guten Ansatz für diesen fächerübergreifenden Unterricht stellt die Berücksichtigung fachfremder Teilaspekte im Unterricht eines Faches dar. Darüber hinaus kann fächerübergreifender Unterricht auch durch enge Kooperation zweier oder mehrerer Fächer realisiert werden. Die Kultusministerkonferenz hat bereits 1980 in ihrem Beschluss über Umwelt und Unterricht darauf verwiesen, dass "Umwelterziehung ein fächerübergreifendes Unterrichtsprinzip" ist. Nach diesem Beschluss können "die Ziele der Umwelterziehung ... an verschiedenen Inhalten in mehreren Fächern oder in fächerübergreifenden Unterrichtsveranstaltungen verwirklicht werden" (Beschluss der Kultusministerkonferenz über Umwelt und Unterricht vom 17. Oktober1980). Je mehr fachspezifische Teilaspekte von den verschiedenen Fächern eingebracht werden, umso vollständiger kann eine Thematik in ihrer Gesamtheit erfasst werden. Die Art und Anzahl der Fächer ist dabei abhängig von der ThemensteIlung, Bei der fächerübergreifenden Behandlung des Lebensraumes Wald können beispielsweise naturwissenschaftliche Aspekte in den Fächern Chemie (z.B. Saurer Regen) und Biologie (Tiere und Pflanzen des Waldes, Waldschadensbilder), gesellschaftswissenschaftliche Aspekte in den Fächern Erdkunde (z.B. Waldgesellschaften Mitteleuropas), Geschichte (z.8. kulturhistorische Relikte) und Sozialkunde (z.B. Freizeit und Erholung) aufgearbeitet werden. Auch die Fächer Arbeitslehre (z.B. Holz als Werkstoff, Berufe in der Forstwirtschaft), Deutsch (z.B, Naturbeschreibungen in der Literatur, Analyse von Zeitungsberichten) und Religion (z.B. Umgang mit der Schöpfung) können fachspezifisehe Beiträge leisten. In den Fächern Musik und Bildende Kunst haben Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ihrer persönlichen Auseinandersetzung mit dem Therna auf künstlerische Weise Ausdruck zu verleihen. 2.7 Vorbilder anbieten Lehrerinnen und Lehrer sind Vorbilder für ihre Schülerinnen und Schüler. Sie müssen sich bewusst sein, dass sie durch ihr persönliches Verhalten einen wichtigen Beitrag zur Glaubwürdigkeit und damit auch zum Erfolg schulischer Urnwelterziehung leisten können. Als Pädagogen sind sie deshalb besonders gefordert, ihre Einstellung zur Natur und zur Umweltkrise zu überdenken und ihr eigenes Verhalten gegebenenfalls zu ändern. Dabei sollten sie sich darüber im klaren sein, dass sie bei Fragen zur Umweltproblematik nicht in jedem Fall über gesichertes Wissen verfügen und eindeutige Antworten geben können, dass Umwelterziehung in vielen Fällen daher ein gerneinsamer Such prozess von Lehrenden und Lernenden sein muss. Auch im Kontakt mit Menschen, die sich in Institutionen, Vereinen und Verbänden für die Belange der Umwelt einsetzen, können Schülerinnen und Schüler Vorbilder kennen lernen. Ihre Einbeziehung bietet darüber hinaus die Möglichkeit, besondere Fachkenntnisse und Erfahrungen in die schulische Umwelterziehung einzubringen. Ein glaubwlirdiges Vorbild ist auch eine nach ökologischen Gesichtspunkten gestaltete Schule, in der das Gelernte irn Schulalltag urngesetzt wird. Lehrerinnen und Lehrer sind daher gefordert, sich gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern, mit den Eltern sowie gegebenenfalls mit anderen außerschulischen Personen für eine umweltgerechte Gestaltung ihrer Schule einzusetzen und im täglichen Schulleben Umweltschutz zu praktizieren. 3.Umwelterziehung in den einzelnen Schulstufen 3.1 Umwelterziehung in der Grundschule Die Voraussetzungen für die Verwirklichung der beschriebenen Ziele unter Beachtung der Prinzipien und damit für den Erfolg der erzieherischen Maßnahmen sind in der Grundschule besonders günstig: Da der Klassenlehrer bzw. die Klassenlehrerin fast alle Fächer selbst unterrichtet, ist eine wichtige strukturelle Voraussetzung für ein ganzheitliches und handlungsorientiertes Vorgehen geschaffen. Lernprozesse können nach den jeweiligen zeitlichen Bedürfnissen organisiert werden, mehrstündige Exkursionen bedürfen in geringerem Maße der Absprache zwischen verschiedenen Fachlehrerinnen und Fachlehrern. - Die Lehrpläne lassen Freiräume und ermöglichen es, die Interessen der Kinder, regionale und lokale Gegebenheiten sowie aktuelle Entwicklungen zu berücksichtigen. Darüber hinaus gibt vor allem der Lehrplan Sachunterricht konkrete Hinweise, wie die individuelle, soziale und sachgebundene Sensibilität der Kinder auch bei der Behandlung von Themen der Umwelterziehung entwickelt werden solL - Oie Schülerinnen und Schüler sind leicht zu motivieren und zu aktivieren; sie tragen das in der Schule Erlebte und Gelemte in die eigene Familie hinein. Ein Schwerpunkt der Arbeit ist die Förderung des affektiven und kreativen Bereiclls Die Schülerinnen und Schüler sollen so oft wie möglich Gelegenheit erhalten, die Schönheit der Natur zu erleben und ihre Erlebnisse und Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Die Vermittlung von Wissen ist eine Voraussetzung fül' sachkundiges und verantwortungsvolles Verhalten. Mit zunehmendem Alter werden auch aktuelle Umweltprobleme (z.B. Fischsterben, Aussterben von Tierarten) aufgegriffen. Die Schülerinnen und Schüler lemen ihrer Reife entsprechende Verhaltensweisen zum Schutz der Natur kennen. Im Verlauf der Grundschulzeit sollten die Schülerinnen und Schüler mindestens einen Lebensraum - beispielsweise Wald, Gewässer oder Wiese - kennen lernen, einen Einblick in seine Gefährdung und in Schutzmaßnahmen erhalten. Die Wahl des Themas richtet sich nach den lokalen Gegebenheiten. Es sollte in den verschiedenen Klassenstufen auf unterschiedlichem Anspruchsniveau und unterschiedlicher Lernzielebene behandelt werden. Außerdem sollte die Behandlung der Müllproblematik vorgesehen werden. Dieses Thema ist besonders geeignet, durch persönliche Betroffenheit zu motivieren; es bietet zahlreiche Möglichkeiten für praktisches Handeln. Darüber hinaus gibt es weitere zahlreiche Möglichkeiten für ökologisches Lernen, z,B. - das Erforschen der Natur in den verschiedenen Jahreszeiten, - die Beschäftigung mit Pflanzen und Tieren, - die Auseinandersetzung mit einem Umweltproblem in der Gemeinde, z.8. mit der Verkehrssituation im Rahmen der Verkehrserziehung unter ökologischen Aspekten. 3.2 Umwelterziehung in der Sekundarstufe i Auch in der Sekundarstufe I ist Umwelterziehung nach den beschriebenen Prinzipien notwendig und möglich. - Im Fachunterricht: Konkrete Lernziele zur Umwelterziehung sind in den Lehrplänen vor allem der natur- und gesellschaftswissenschaftlichen Fächer sowie des Faches Religion enthalten. Aber auch alle anderen Fächer (z. B. Fremdsprachen und Deutsch) bieten die Möglichkeit, die jeweiligen fachspezifischen Ziele bei der Behandlung von Umweltthemen zu erreichen. Darüber hinaus bieten die Lehrpläne aller Fächer Freiräume, die es erlauben, Umweltthemen vertieft zu behandeln oder zusätzlich aufzugreifen. Im fächerübergreifenden Unterricht: Voraussetzung für die fächerintegrierte Behandlung einer Thematik ist eine Absprache zwischen den einzelnen Fachlehrerinnen und Fachlehrern sowohl bei der Erstellung eines Konzeptes für die Zusammenarbeit der beteiligten Fächer als auch bei der Durchführung der einzelnen Projektteile (z,B, mehrstündige Unterrichtsgänge), - In Arbeitsgerneinschaften: Sie ermöglichen längerfristige Vorhaben, die kontinuierliche Arbeit voraussetzen (z.8, die Pflege von Biotopen, Naturschutzaktionen, Bachpatenschaften oder Langzeituntersuchungen von Ökosystemen) und können gegebenenfalls auch Projekte weiterführen, - Im Rahmen der Gestaltung von Wandertagen und Projekttagen sowie bei Schullandheimaufenthalten: Es empfiehlt sich, diese Freiräume für besondere Maßnahmen im Rahmen der Umwelterziehung zu nutzen, So können beispielsweise Wandertage, ebenso wie Projekttage, eingebunden werden, um außerschulische Lemorte aufzusuchen, Die Ergebnisse einer fächerübergreifenden Einheit können im Rahmen einer Projektwoche zusammengetragen und präsentiert werden, Im Verlauf der Sekundarstufe I sollten möglichst zwei Umweltthemen fächerübergreifend behandelt werden, Es empfiehlt sich, einen dieser Schwerpunkte in der Klassenbzw, Jahrgangsstufe 9 bzw, 10 zu setzen mit der Behandlung der aktuellen Energieund Verkehrsproblernatik, vor allem unter philosophischen, historischen, technischnaturwissenschaftlichen und ökonomischen Gesichtspunkten, Wesentliche Aspekte, die in der betreffenden Klassenstufe nicht unterrichtete Fächer berühren, sollten möglichst von Nachbarfachern aufgegriffen werden, Die Themen können beispielsweise von den jeweiligen Jahrgangskonferenzen, gegebenenfalls auch von der Gesamtkonferenz, festgelegt werden, Bei der Themenwahl sollen lokale Gegebenheiten (z,8, Erreichbarkeit eines Naturraumes, lokale Umweltprobleme) , aktuelle Entwicklungen im Umweltbereich und die Interessen der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt werden. Orientierung und praktische Hilfe bei der Organisation und Durchführung fächerübergreifender Unterrichtseinheiten bieten das Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM) sowie die Lehrerfortbildungs-Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft an, 3,3 Umweiterziehung in der Sekundarstufe H Schwerpunkt der Urnwelterziehung in der Sekundarstufe 11 soll vor allem die Förderung der Fähigkeit von Schülerinnen und Schülern sein, - sich selbständig Informationen zu beschaffen, auszuwerten und zu beurteilen, - naturwissenschaftliche Untersuchungsmethoden und wissenschaftliche Aussagen zu beurteilen, - selbst Untersuchungen durchzuführen und auszuwerten, - durch vernetztes Denken auch komplexe Zusammenhänge zu erfassen und die Aussagen der Fachdisziplinen zu einer ganzheitlichen Sichtweise zusammenzuführen, - umweltrelevantes Handeln in den verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen im Hinblick auf Nutzungsinteressen und Interessenkonflikte zu beurteilen, - sich eine begründete Meinung Ober Konzepte zur Lösung von Umweltproblemen zu bilden, durch individuelles Handeln im privaten Bereich und durch Wahmehmung von Mitbestimmungsrechten als Schüler bzw. Staatsbürger zu einer Veränderung beizutragen. Die Lehrpläne für die Sekundarstufe I1 bieten vor allem in den natur- und gesellschaftswissenschaftlichen Fächern wie auch in den Fächern der beruflichen Schulen vielfältige Möglichkeiten für ökologisches Lernen. 4. Rahmenbedingungen 4.1 Koordination und Organisation Die Schulleitung soll Lehrerinnen und Lehrer zur Durchführung von fächerübergreifenden Unterrichtsprojekten anregen und sie dabei unterstützen. Ihre Aufgabe ist es auch, darauf zu achten, dass bei der Themenwahl eine einvernehmliche Lösung zwischen den Fachlehrerinnen und Fachlehrern der jeweiligen Klasse bzw. zwischen den verschiedenen Klassen einer Jahrgangsstufe erzielt wird. Ungeachtet des Vorranges von Mehrheitsbeschlüssen sollten hierbei auch Minderheitenvorschläge eine Chance der Verwirklichung haben. Die Durchführung von Unterrichtsgängen zu außerschulischen Lemorten soll die Schulleitung durch geeignete organisatorische Maßnahmen unterstützen und Maßnahmen zur umweltgerechten Gestaltung der Schule anregen und fördern. Die Einrichtung einer Koordinierungsgruppe aus besonders interessierten Lehrerinnen und Lehrern ist nützlich. Sie kann die Schulleitung bei ihren Aufgaben beraten und unterstützen. 4.2 Lehrerausbildung und Lehrerfortbi!dung Didaktik und Methodik der Umwelterziehung müssen Bestandteil der zweiten Phase der Lehrerausbildung sein. Während dieser Zeit solien die angehenden Lehrerinnen und Lehrer die Gelegenheit haben, ein Umweltthema fächerübergreifend nach den in den Richtlinien beschriebenen Prinzipien zu behandeln. Das Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM) und seine AußensteIlen unterstützen die schulische Arbeit durch zentrale und regionale Lehrerfortbildungsmaßnahmen. Die schulinteme Beratung erfolgt im Rahmen von Fachkonferenzen und fächerübergreifenden Konferenzen. Auch bei der Planung und Durchführung Pädagogischer Tage bietet das Landesinstitut für Pädagogik und Medien im Rahmen seiner Möglichkeiten Beratung und praktische Hilfe, z. B. durch die Vermittlung von Referentinnen und Referenten, Im Übrigen wird auch auf die einschlägigen Angebote der LehrerfortbildungsEinrichtungen in kirchlicher Trägerschaft hingewiesen. 5. Schule als ökologischer Lernon: Durch die Gestaltung des Arbeitsplatzes und lebensraumes Schule nach ökologischen Kriterien wird aktiver Umweltschutz praktiziert. Die Schule übt Vorbildwirkung aus und gibt den Schülerinnen und Schülern Gelegenheit, das im Unterricht Gelernte irn Alltag einzuüben. Ein solches Konzept sollte möglichst von der ganzen Schule mitgetragen werden; an der Entwicklung sollten sich alle lehrerinnen lind lehrer, Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern beteiligen können. Hilfen bietet das landesinstitut für Pädagogik und Medien (lPM). Die ökologische Gestaltung der Schule und des Schullebens kann folgende Bereiche umfassen: 5.1 Schülerwanderungen, U nterrichtsgänge, Lehrfahrten, Schullandheimaufenthalte Bei der Auswahl der Ziele sollen auch Umweltaspekte in die Überlegungen einbezogen werden. Öffentliche Verkehrsmittel sollten nach Möglichkeit bevorzugt werden. Auch sollte geprüft werden, ob nicht auch das Fahrrad benutzt oder gewandert werden kann. Bei der Vorbereitung sollten Verhaltensregeln zum Umwelt- und Naturschutz mit den SchOierinnen und Schülern vereinbart werden (z.8. Verpflegung nur in umweltschonender Verpackung mitnehmen, sich in der Natur umweltgerecht verhalten). Auf umweltgefährdende Schulsportveranstaltungen (z. B. Schulskikurse in gefährdeten alpinen Regionen) soll verzichtet werden. 5.2 Speisen und Getränke Bei der Auswahl der in der Schule angebotenen Speisen und Getränke (z.8. beim Pausenverkauf, in der Schulcafeteria, beim Schulfrühstück, bei Festen) sollen ökologische und ernährungsphysiologische Aspekte beachtet werden. Auf den Einsatz von Einweggeschirr soll verzichtet werden. 5.3 Schulgebäude und Ei nrichtung Ungeachtet der Zuständigkeit der Schulträger sollte von pädagogischer Seite darauf hingewirkt werden, dass bei der Neuerrichtung und bei Maßnahrnen zur Erhaltung des Schulgebäudes ebenso wie bei seiner Einrichtung bevorzugt schadstofffreie bzw. -arme Stoffe und Produkte verwendet werden. Möglichkeiten zur Einsparung von Energie und Wasser sollen so weit wie möglich genutzt werden, zum Beispiel durch energiebewusstes lüften, - angemessene Raurntemperierung, - Verrneidung unnötiger elektrischer Geräte in der Schulküche, stromsparenden Einsatz der Beleuchtung, - Verwendung von Energiesparlampen und von Spartasten bei der Toilettenspülung, Berücksichtigung des Strom- und Wasserverbrauchs bei der Neuanschaffung elektrischer Geräte, Installation von Solaranlagen. Bei der Reinigung des Gebäudes soll auf die Verwendung umweltschonender Substanzen geachtet werden. Auch im Unterricht, vor allem im Hauswirtschaftsunterricht, sollen zur Reinigung nur umweltfreundliche Produkte verwendet werden. 5.4 aürogeräte und -materialien, Lehr- und Lernmittel Die in der Schulverwaltung und im Unterricht verwendeten Arbeitsmittel sollen vor dem Kauf auf ihre ökologische Verträglichkeit hin überprüft werden. Empfehlenswert sind beispielsweise - reparaturfreundliche Geräte mit sparsamem Energieverbrauch, Geräte mit Netzanschluss oder aufladbarem Akku, Recycling-Produkte, wie zum Beispiel Recycling-Pappe oder Umweltschutzpapier, - Kugelschreiber mit auswechselbarer Mine und Füllfederhalter mit nachfüllbarem Tintentank, - Holzbleistifte und Malstifte ohne Lackierung, Wachsmalkreiden, Lineale und Bleistiftspitzer aus Holz und Radiergummis aus Naturkautschuk. Bei Empfehlungen an Schülerinnen und Schüler oder an die Eltern für die Beschaffung von Schulmaterialien soll auf die Umweltverträglichkeit der Produkte geachtet werden. 5.5 Abfälle Jede Schule kann ihr eigenes Konzept zum Umgang mit Abfall erstellen und damit einen Beitrag zur Lösung der Müllproblematik leisten. Oberste Priorität hat die Müllvermeidung zum Beispiel durch - sparsamen Umgang mit Papier, - Wiederverwendung von Verpackungen, - Umstellung des Pausenangebots auf Mehrwegverpackungen, Verwendung von Brotdosen und Trinkflaschen für mitgebrachte Speisen und Getränke. Was nicht vermieden werden kann, soll der VIIiederverwertung zugeführt werden. Papier, Metall und Glas können beispielsweise in entsprechenden Wertstoffcontainern gesammelt, organische Abfälle können kompostiert werden. Sondermüll ist sachgerecht zu entsorgen. 5.6 Gestaltung von Möglichkeiten zur Begegnung mit der Natur Schule als ökologischen Lernort gestalten heißt auch, im Nahraum Naturerfahrungen zu ermöglichen, Natur in die Schule hereinzuholen, Die Möglichkeiten dazu sind vielfältig, Viele dieser Maßnahmen müssen im Einvernehmen mit dem Schulträger durchgeführt werden, Es bietet sich beispielsweise an, - die Klassenzimmer und das übrige Schulgebäude mit Zimmerpflanzen zu schmücken, die Fassade mit Kletterpflanzen zu begrünen, - den Schulhof zu entsiegeln und zu bepflanzen, Biotope anzulegen, z,8, Schulgarten, Feuchtbiotop, Hecke, Trockenmauer, Reisigund Steinhaufen, Beratung und praktische Hilfe bieten das Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM) und die Lehrerfortbildungs-Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft an, (Lang) Ministerialrat


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